Fashion Revolution: Meine Meinung zu H&M’s Nachhaltigkeitsarbeit

Hallo und herzlich Willkommen zum letzten Blogpost anlässlich der Fashion Revolution Week. Ich weiß, ich bin etwas zu spät, aber die Tücken der Technik haben mir einen Streich gespielt…

Im heutigen Post möchte ich mit dir über H&M sprechen und im Detail über die H&M Conscious Kampagne, sowie die Nachhaltigkeitsarbeit von H&M, die ich nun seit mehr als einem Jahr beobachte und verfolge. Ich habe die letzten Nachhaltigkeitsberichte von H&M gelesen und mich auch anderweitig informiert.

Meine Meinung zu H&M’s Nachhaltigkeitsarbeit

Früher war ich eine regelmäßige H&M Shopperin. Die Mode war bzw. ist stylisch und günstig. Ich musste nicht groß Kleidung anprobieren, da ich genau wusste, welche Größe mir passt. Ich war zu faul mich mit der Art und Weise zu beschäftigen, wie Kleidung hergestellt wird und wollte mir darüber auch keine Gedanken machen. Aber als ich mich dann genau mit diesen Themen beschäftigt habe, hat sich damals meine Meinung zu dem Unternehmen geändert. Ich wollte nicht mehr, dass Menschen für meine Kleidung sterben aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen in den Sweatshops. Trotzdem habe ich weiterhin das Unternehmen und seine Arbeit verfolgt. Ich wollte wissen, ob irgendwann ein Umdenken bei H&M stattfindet und sie mehr in Richtung Nachhaltigkeit unternehmen. Nachhaltig in Bezug auf Ressourcen, auf die Umwelt, auf die Menschen.

Bevor wir ins Detail gehen, habe ich eine Frage an dich:

Weisst du eigentlich, welche und wie viele Marken zum H&M Konzern gehören? Wie, da gibt es mehrere Marken fragst du du dich jetzt? Ja die gibt es! Zum H&M Konzern gehören COS, cheapmonday, weekday, monki, & other stories und natürlich H&M (Home).

Wichtiges aus dem Geschäftsbericht 2016

Deutschland ist das Land mit dem größten Umsatz von H&M weltweit, gefolgt von den USA. Der Umsatz in Deutschland betrug 2016 ca. 3,9 Mrd. €. und weltweit machte der Konzern einen Umsatz von 23 Mrd. €. (23 Mrd. Schwedische Kronen). Dies war nach eigenen Worten eine Umsatz- Steigerung von „leider nur“ 7%.

Meine Meinung zu H&M's Nachhaltigkeitsarbeit- Umsatzzahlen Deutschland
©H&M Hennes & Mauritz AB

 

 

 

 

 

 

Was ist die H&M Conscious Kampagne?

Einige oder viele von uns kennen die Conscious Kampagne wahrscheinlich durch das Zurückbringen unserer Kleidung in die Läden, wodurch man dann einen % Gutschein erhält, den man dann bei seinem nächsten Kauf bei H&M einsetzen kann. Die zurückgebrachte Kleidung, so wird uns versichert, wird recycelt. Seit diesem Jahr heißt die Kampagne nun „Bring it.“

Das Ziel von H&M ist es, einen geschlossenen Kreislauf für Textilien zu erschaffen, so dass nicht mehr länger genutzte Kleidung weiterverwendet und in Textilfasern für neue Produkte recycelt werden kann. Gleichzeitig soll dies dabei helfen, natürliche Ressourcen zu schonen und sicherzustellen, dass keine Kleidung mehr auf den Mülldeponien landet.

Seit dem Start der H&M Conscious Kampagne 2013 wurden weltweit mehr als 39,000 Tonnen Kleidung zurück gegeben, was umgerechnet etwa 196 Mio. T- Shirts sind. Alleine in 2016 wurden 15,888 Tonnen Kleidung zurückgegeben und das Ziel von H&M sind 25,000 Tonnen im Jahr 2020.

Doch nun kommen wir zu dem Problem oder der Herausforderung am Recycling der Kleidung. Aktuell ist es nicht möglich mehr als 20% eines Kleidungsstückes aus recycelter Baumwolle herzustellen aus Gründen der Qualität und Haltbarkeit. Weiterhin lassen sich Mischstoffe nicht recyceln und somit zur Herstellung neuer Kleidungsstücke nutzen, da die Stoffe noch nicht getrennt werden können. Laut Greenpeace können nur 14% der gesammelten Kleidung zur Herstellung von recycelten Fahren genutzt werden. Dies ist verständlich, wenn man sich darüber Gedanken macht, wie oft ein Kleidungsstück z.B. aus 100% Baumwolle besteht und kein Elasthan oder sonstiges zusätzlich verwendet wird.

H&M’s Visionen

H&M hat sich seine neuen Visionen hoch gesteckt:

100% Leading the change
100% Circular & Renewable
100% Fair and Equal

Hört sich im ersten Moment gut an, aber es gibt da einen „kleinen“ Haken an der Sache, denn H&M selbst gibt zu, dass sie bei diesen Visionen teilweise selbst noch nicht wissen, wie sie dies erreichen können. Laut dem Nachhaltigkeitsbericht bedeutet 100% nicht das genaue Ziel, sondern soll eher die Ambitionen und die Verpflichtungen des Unternehmens demonstrieren! Ich frage mich, wie das Unternehmen, dann weiß, wie es seine Visionen erreichen wird, also welche Wege es gehen muss. Vielleicht ist das mehr in den diversen Zielen zu finden? Schauen wir uns die Ziele Mal genauer an.

Ziele von H&M

1. Ziel: 100% Bio- Baumwolle bis 2020
In dem Nachhaltigkeitsbericht wird das Ziel genannt bis 2020 nur noch 100% Bio- Baumwolle für die Kollektionen zu nutzen. Doch wenn man sich dieses Ziel und das was H&M diesbzgl. tut, genauer anschaut, stellt man fest, dass da meiner Meinung nach, ein klein wenig Greenwashing betrieben wird, denn aktuell kommen 43% der Baumwolle aus nachhaltigen Ressourcen wie Bio- Baumwolle, recycelte Baumwolle und Baumwolle (nach der Better Cotton Initiative.)

Bei letzterer handelt es nicht nicht um Bio- Baumwolle und die „Vorschriften“ sind nicht wirklich gegeben. Ich meine damit, es wir nicht vorgegeben, dass keine Pestizide verwendet werden dürfen. Die Vorgabe ist nur die Baumwolle von Bauern zu beziehen, die den Einsatz von Pestiziden minimieren. Für mich heißt das, dass es schon reicht, wenn ein Bauer den Einsatz von Pestiziden oder Herbiziden um 1% verringert. Dann ist das für mich aber persönlich nicht nachhaltig, höchstenfalls „ein wenig“ nachhaltiger. Außerdem ist recycelte Baumwolle auch keine Bio- Baumwolle. Ich habe gelesen, dass der Weg zu mehr Baumwolle der „Better Cotton Initiative“ ein schleichender Weg ist, weg von Bio- Baumwolle.

2. Ziel: Klimapositiv produzieren bis 2040

Ein weiteres Ziel von H&M ist es bis 2040 klimapositiv zu produzieren. Dies finde ich ein gutes Ziel und zeigt einen Weg zu mehr Nachhaltigkeit durch ressourcenschonende Produktion auf. Die Emission von Treibgasen wurde bereits um 46% auf knapp 80 Tonnen reduziert. Alleine die Produktion der Kleidung, also die Herstellung in den Sweatshops macht 48% im kompletten Prozess aus. Außerdem arbeitet H&M mit Cradle to Cradle und dem WWF zusammen.

3. Ziel: Keine schädlichen Chemikalien bis 2020

Da ich in meinem letzte Blogpost über giftige Chemikalien in der Textilherstellung gesprochen haben, darf ich dir das Ziel von H&M natürlich diesbezüglich auch nicht enthalten. Bis 2020 sollen keine gefährlichen Chemikalien in der Produktionen mehr eingesetzt werden. Bei der Textilherstellung wird bereits seit 2013 kein PFC mehr eingesetzt und damit war H&M das erste Textilunternehmen der Fast Fashion Industrie. Dafür und für Ihren Einsatz wurden sie von Greenpeace auch unter die TOP 3 Fast Fashion Unternehmen gewählt, die auf einem guten Weg sind hinzu einer Freiheit von gefährlichen Chemikalien. Aber, leider fehlt bis heute die Fallstudie, die die PFC Freiheit belegt.

Aber es gibt auch noch andere Probleme und Herausforderungen.

Mindestlohn und Kinderarbeit 

Was ich persönlich auch kritisch finde, ist die  Verlagerung der Produktion nach Äthiopien. Dort gibt es – im Privatsektor- keinen Mindestlohn und daher sind die Produktions- und Lohnkosten noch günstiger als in Bangladesch. Auch wenn H&M in seinem Nachhaltigkeitsbericht angibt, dass es mehr als den Mindestlohn zahlt, so reicht dies aber immer noch nicht aus, davon zu leben!

Meine Meinung zu H&M's Nachhaltigkeitsarbeit-Löhne H&M in Produktionsländern
©H&M Hennes & Mauritz AB

H&M sagt selbst, dass sie die Löhne nicht alleine erhöhen können und dass sie die Kooperationen von Regierungen und anderen Herstellern benötigen. Aber wie zu sehen ist, kann das Unternehmen selbst schon kleine Schritte machen. Es sollte sich darum kümmern, dass 100% der Produktionsstätten an der „Fair wage Method“ von H&M teilnehmen und nicht nur <50%.

Außerdem gibt H&M indirekt zu, dass „Kinderarbeit“ theoretisch vorkommen kann, aber sie nennen auch Maßnahmen, die dann vollzogen werden (Eltern bekommen den monatlichen Ausfall bezahlt, Kind wird wieder in die Schule geschickt etc.). Ich finde aber, dass eine Abmahnung für die Produktionsstätte beim ersten Verstoß nicht ausreicht (erst beim zweiten Verstoß fliegt man raus) und dass H&M noch mehr tun sollte, um zu verhindern, dass dies überhaupt passieren kann!

Als ich mir den Bericht genauer durchgelesen habe, sind mir einige Sätze aufgefallen, die Interpretationsspielraum lassen…

  • „Ambition to dress customers in a sustainable way“.
  • „ to achieve a fair, equal workplace within group long suppliers“
  • „ Products should always be produced with greatest possible consideration for people and the environment“
  • „need to create Fashion without compromising on design, quality, price OR sustainability“. Vielleicht bin ich hier etwas zu kritisch, aber da gehört kein ODER hin, sondern ein UND, also „and“. Es sollte nicht entweder oder sein, sondern alles!

H&M Conscious Exklusive Kollektion

Letzte Woche wurde die neue Conscious Exklusive Kollektion rausgebracht, die aus 30 Artikeln besteht. Nur ein paar Tage vor dem Jahrestag des Unglücks des Rana Plaza Komplexes. Letztes Jahr hat H&M genau am Jahrestag veröffentlicht. Ob das ein Zufall ist?
Auch hier habe ich etwas genauer hingeschaut. Was mir aufgefallen ist, ist, dass viele Kleidungsstücke aus Lyocell/ Tendcell, Baumwolle und Seide bestehen. Mit der Baumwolle ist das so eine Sache. Wenn du dir die Artikel einzeln ansiehst, dann steht da z. B. aus 100% Baumwolle. Also ist da keine Bio- Baumwolle drin?

Bei einem Blick in das aktuelle Magazin zur Kampagne, steht jedoch dann Bioseide, Biobaumwolle und Bioleinen… Ich in verwirrt! Enthalten die Produkte jetzt Bio- Naturfasern oder konventionelle?

Zwei der Artikel, und zwar ein Kleid und eine Handtasche sind aus wiedergewonnenen und recycelten PET- Flaschen. Das Kleid besteht aus 88 dieser Flaschen und die Tasche aus 25 Flaschen. Auch wenn ich die Idee des Recyclings gut finde, so handelt es sich doch hier immer noch um Plastik und zwar um Mikroplastik. Weiterhin frage ich mich, woher dieses Plastik stammt. Ist es Plastik, dass man aus den Weltmeeren gefischt hat oder das am Strand angeschwemmt wurde? Oder ist es Plastik, dass in der Produktion angefallen ist? Zu dieser Frage, konnte ich keine wirkliche Antwort finden.

Awards

Wusstest du, dass H&M 2013 den PETA Vegan Fashion Award für Damen Outerwear und 2015 sogar den Award als „most animal- friendly clothing company“ (Tierfreundlichstes Kleidungsunternehmen) gewonnen hat?

In 2016 wurde H&M unter die TOP 3 von 100 Unternehmen im Fashion Transparency Index gewählt.
Im Bericht von 2017 nur noch unter den ersten vier. Adidas, Marc& Spencer und Reebok erzielen bessere Ergebnisse. Ich könnte mir vorstellen, dass dies damit zu tun, hat, dass die Ziele nicht mehr so genau sind, wie früher und das durch die Transparenz verloren geht.

Mein Fazit

Alles in Allem würde ich sagen, dass H&M auf einem guten Weg ist mit seiner Nachhaltigkeitsarbeit. Es gibt jedoch noch viel zu tun und die Ziele müssen noch viel genauer definiert werden. In den letzten Jahren war dies auch der Fall, und das Unternehmen hatte sich selbst 7 definierte Ziele gesetzt. Diese sind nicht mehr zu finden und wurde durch die drei 100% Visionen ersetzt. Auch der Weg, wie sie dies erreichen wollen, welche Schritte sie gehen wollen, muss genauer definiert sein.

Ich schließe diesen Post ab, mit der Worten der Huffington Post, die ich so genau unterschreiben würde. „Fast Fashion kann niemals wirklich nachhaltig sein, da das Business Modell von Natur aus schon nicht nachhaltig ist“. Damit ist gemeint, wer jährlich so viele Kollektionen heraus bringt und immer mehr Länder mit dieser Mode überschwemmt, der kann nicht nachhaltig handeln. Denk mal über diesen Satz nach und lass mir dein Kommentar da, wie du zu dieser Aussage stehst.

Und hier sind noch ein paar Dokumentation und Informative Seiten, die ich dir empfehle:
Dokumentationen und Filme
Der Film „the true cost“-> www.truecostmovie.com (Netflix, Itunes oder hier)
Sweatshop Deadly Fashion
ARD Panorama- Tod in der Fabrik: der Preis für billige Kleidung
ZDF Zoom- Die billige Masche von H&M
Informative Seiten
Fashion Revolution Fanzine

Fashion Theory

H&M Sustainability Report

Greenpeace Detox

Utopia

Huffington Post

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