Fashion Revolution: Schädliche Chemikalien in der Textilindustrie

Zur Herstellung von Kleidungsstücken werden oft Chemikalien benutzt, um als Pestizide für den Anbau, zum Färben, zum Aufrauen oder für andere Produktionsschritte. Diese teilweise schädlichen Chemikalien sind weder gut für die Umwelt, noch für uns! Leider können wir selbst nicht sehen und erkennen, welche chemischen Stoffe bei der Produktion unserer Kleidung genutzt werden. Aber zumindest können wir Wissen darüber erlangen und mit unserer Entscheidung für nachhaltige Mode, den Einsatz schädlicher Chemikalien reduzieren.

Die Bilder von Abwasserverschmutzung, die du in diesem Post sehen werdet, stammen aus der Nähe von Zulieferbetrieben internationaler Textilhersteller. Untersuchungen von Greenpeace haben gezeigt, dass die Abwässer schwer abbaubare Chemikalien enthalten, die sich in die Nahrungskette oder in einem Organismus anreichern und wie Hormone wirken können. Das kann zu einer langfristigen Schädigung von Umwelt und Gesundheit führen.

Leider muss ich dir zu Anfang sagen, dass es keine komplette Chemikalienfreiheit im Textilgewerbe gibt. Selbst beim G.O.T.S- Siegel sind in der Produktionskette optische Aufheller erlaubt. G.O.T.S, IVN und Bluesign können nur garantieren, dass möglich wenige bedenkliche Chemikalien eingesetzt werden.

Ich werde dir im folgenden nun 11 Chemikaliengruppen vorstellen, die besonders schädlich und gefährlich sind und erklären, warum dies der Fall ist. Diese 11 betreffen hauptsächlich die Kleidungsherstellung. Insgesamt werden zwischen 7000- 8000 verschiedene Chemikalien, sowie rund 4000 Farbstoffe eingesetzt. Der größte Teil des Chemie-Cocktails wird während und nach der Produktion wieder aus den Stoffen herausgewaschen. Doch immerhin 10 Prozent verbleiben in den Kleidungsstücken. (Quellen: Umweltinstitut 1  und Umweltinstitut 2 )

In meinem letzten Blogpost hatte ich bereits erwähnt, dass u. a. zum Anbau von konventioneller Baumwolle Pestizide, Insektizide und Herbizide genutzt werden und, dass Herbizide (Entlaubungsmittel) in der EU in Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen sind. Chemische Düngemittel vernichten nicht nur Schädlinge, sondern auch zahlreiche Nützlinge und für die Bodenfruchtbarkeit wichtige Bodenlebewesen. Außerdem kontaminieren die Giftstoffe vielerorts Flüsse, Seen und das Grundwasser.

Fashion Revolution: Schädliche Chemikalien in der Textilindustrie- Tödliches Abwasser
©pixabay.com/ Dzed

 

In den Baumwoll-Anbaugebieten können Pflanzengifte im Trinkwasser sowie in Lebens- und Futtermitteln nachgewiesen werden. Die Baumwollbauern wissen meist gar nicht, wie sie sich selbst vor den giftigen Dämpfen schützen sollen, da sie oft nicht lesen und schreiben können und daher die Warnhinweise nicht verstehen. Das ist jedoch wichtig, denn um ein Baumwolle T- Shirt zu gewinnen, werden bis zu 150 gr. Pestizide versprüht.

Zu den Symptomen einer akuten Pestizid-Vergiftung zählen Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bewusstlosigkeit, Atemnot, Schlaflosigkeit, Hautirritationen, Herzrhythmusstörungen und Krämpfe bis hin zum Tod. Langzeitwirkungen von Pestiziden sind Schädigungen des Nervensystems, des Hormonhaushalts, des Reproduktions- und des Immunsystems. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit pro Jahr 20.000 Menschen an Pestizidvergiftung in der Landwirtschaft. (Quelle:)

Aber kommen wir nun zu den 11 gefährliche Substanzen bzw. Chemikalien in der Textilbranche:

Alkylphenole

Alkylphenole werden in der Textilindustrie hauptsächlich zum Waschen während dem Färben der Textilien genutzt. Sie wirken ähnlich wie Östrogene und haben Einfluss auf Fische und andere Wassertiere. Seit 2005 ist der Verkauf von Produkten mit einem Teil der Gruppe von Alkylphenolen in der EU verboten.

Phthalate

Phthalate oder auch Weichmacher gehören zu den wichtigsten Industriechemikalien und kommen auch in der Textilindustrie zum Einsatz. Anwendung finden sie bei Gummi, Kunstleder, aber auch oft in aufgedruckten Motiven auf T-Shirts sowie Farbstoffen. Sie sind teils krebserregend. Phthalate, wie z. B. DEHP und DBP (Dubutylphtalat) werden in Europa als „fortpflanzungsgefährdend“ klassifiziert und die Verwendung ist eingeschränkt bzw. mittlerweile teilweise in Europa seit 2015 nach dem EU- Chemikalienrecht REACH verboten. Dadurch, dass sie in den Hormonhaushalt eingreifen, stehen sie unter dem Verdacht Unfruchtbarkeit auszulösen.

Bromierte und chlorierte Flammschutzmittel

Eine der bekanntesten Gruppen von Bromierten Flammschutzmittel (BFR) ist PBDE (Polybromierte Diphenylether). Es wird genutzt, um Textilien feuerbeständig zu machen. Manche PBDE können jedoch das Hormonsystem schädigen. Das EU Chemikalienrecht hat die Anwendung einiger PBDE daher eng eingegrenzt und als „prioritär gefährlich“ eingestuft.
Viele bromierte Flammschutzmittel sind in der Umwelt nur schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an. Sie lassen sich sogar in der Muttermilch nachweisen.

Azofarben

Einige Azofarbstoffe gelten als krebserregend und sind in Deutschland verboten. Da sie billig sind, werden sie jedoch in anderen Ländern weiterhin zum Färben verwendet. Azorfarbstoffe sind die am häufigsten eingesetzten Farbstoffe in der Textilindustrie.

Fashion Revolution: Schädliche Chemikalien in der Textilindustrie - Wasserverschmutzung Azofarben
©Greenpeace

Einige Azorfarbstoffe werden während der Anwendung gespalten und setzten Amine frei, die krebserregend sind. Die EU hat die Azorfarbstoffe, bei denen dies der Fall ist, in allen Textilien verboten, die mit der menschlichen Haut in Verbindung kommen.

Wo ich gerade über Farben spreche, fällt mir noch folgendes ein: Viele Frauen haben das kleine Schwarze im Kleiderschrank. Aber wusstest du, dass schwarz die mit Abstand am stärksten Schadstoff belastete Färbung in Textilien ist? Wenn die Färbung minderwertig ist, dann kann sie sich mit dem Stoff nicht richtig verbinden und wird durch unseren Schweiß ausgewaschenen und gelangt in unserer Körper. Das wiederum kann dann zu Hautreizungen und Allergien führen.

 

 

 

Zinnorganische Verbindungen

Zinnorganische Verbindungen werden als Antischimmel- bzw. Antipilzmittel eingesetzt. Vor allem in Socken, Schuhen und auch Sportklamotten finden sie Anwendung, um die Geruchsbildung zu vermeiden, der durch Schweiß entsteht. Außerdem wirken sie antibakteriell.

Nach den Einschätzungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) können zinnorganische Verbindungen jedoch die Fruchtbarkeit einschränken und das Nervensystem angreifen und deshalb sind sie in der EU verboten. Das Problem der Übertragung der giftigen Chemikalien auf die Haut besteht jedoch nach wie vor in Deutschland, da kaum noch Kleidung in Deutschland hergestellt wird. Seit 2012 sind Produkte, die mehr als 0,1% zinnorganische Verbindungen enthalten, daher verboten (einschl. Konsumgütern). Das BfR nimmt dazu folgendermaßen Stellung: »Man muss davon ausgehen, dass in einigen importierten Textilien, insbesondere aus Nicht-EU-Staaten, solche problematischen Farbstoffe enthalten sein können«.

Eine der bekanntesten Verbindungen dieser Gruppe ist TBT (Tributylzinn).
 TBT gehört zu den giftigsten Chemikalien überhaupt. Sie löst unter anderem Leber- und Nierenschäden, Unfruchtbarkeit, Immunschwäche und Stoffwechselstörungen aus. Verboten ist TBT, aber bisher nur als Schiffsanstrich. In der Textilindustrie kommt sie nach wie vor zum Einsatz.

Perflourierte Chemikalien (PFC)

Perflourierte Chemikalien (PFC) haben eine Anti- Haft und wasserabweisende Eigenschaft und sind in der Industrie weit verbreitet. Sie werden bei Kleidung genutzt um die Kleidungs- und Lederprodukte wasser- und schmutzabweisend zu machen. Ein Großteil dieser Chemikalien können von der Umwelt aber nicht oder nur teilweise abgebaut werden. PFC reichert sich im Körpergewebe an und wird teilweise über die Nahrungskette aufgenommen. Wenn PFC bei uns im Körper angereichert ist, kann es die Leber beeinträchtigen und das Hormonsystem stören. Außerdem beeinflusst PFC das sich entwickelnde Immunsystem von Ungeborenen.

Chlorbenzole

Auch Chlorbenzole, die z. B. in der Herstellung von Farbstoffen genutzt werden, beeinträchtigen häufig die Leber, die Schilddrüse und das zentrale Nervensystem. Chlorbenzole sind in Europa bereits teils verboten oder es wird an einem Verbot gearbeitet. Die giftigste Chemikalie (HCB= Hexachlorbenzol) dieser Gruppe ist außerdem hormonell wirksam.

Fashion Revolution: Schädliche Chemikalien in der Textilindustrie -
©fashionunited.de

Chlorierte Lösungen/ Lösungsmittel

Lösungsmittel werden zum Lösen anderer Substanzen (Chemikalienrückstände) und zur Reinigung von Stoffen in der Textilindustrie genutzt. Seit 2008 ist die Verwendung in der EU stark eingeschränkt, da sie nicht nur ozonschädigend sind, sonder auch bekannt dafür Leber, Nieren und das zentrale Nervensystem zu schädigen. Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit sind dann bekannte Folgen.

Chlorphenole

Chlorbenzole sind z. B. in Pestiziden enthalten und sie werden zur Herstellung von Farbstoffen genutzt.
Pentachlorphenol (PCP)  ist für den Menschen hochgiftig und kann viele Organe im Körper schädigen. Es ist ebenfalls hochgiftig für Wasserorganismen. Die EU hat die Produktion von PCP-haltigen Produkten im Jahr 1991 verboten und beschränkt nun auch stark den Verkauf und die Verwendung aller Produkte, die diese Chemikalie enthalten. Ich bin jedoch der Meinung, dass die EU den Verkauf und die Verwendung nicht nur stark einschränken sollte, sondern komplett verbieten.

Kurzkettige Chlorparaffine

Kurzkettige Chlorparaffine (SCCP) werden in der Textilindustrie als Flammschutz- sowie als Veredelungsmittel für Leder und Textilien verwendet. Sie sind hochgiftig für aquatische Organismen, werden nur schwer in der Umwelt abgebaut und besitzen die Eigenschaft, sich stark in lebenden Organismen anzureichern. In einigen Anwendungen dürfen sie in der EU seit 2004 nicht mehr genutzt werden. Hier haben wir wieder ein gutes Beispiel, bei dem ich mich frage, warum diese Chemikalien nur teilweise verboten sind und teilweise weiterhin genutzt werden dürfen. Wenn ich doch weiß, dass etwas schädlich ist, dann verbiete ich es doch komplett und nicht nur für einige Anwendungen. Ich stelle mir in solchen Fällen oft die Frage, ob da nicht Lobbyisten ihre Finger mit im Spiel haben…

Schwermetalle

Schwermetalle sind nicht oder nur schwer abbaubar. Sie wirken teilweise krebserregend und erbgutschädigend. Wegen der hohen Giftigkeit gelten strenge Grenzwerte. Ob diese in Ländern wie China und Indien jedoch eingehalten werden ist fraglich, denn eine Belastung von Textilien mit Schwermetallen wird immer wieder nachgewiesen. Es reicht anscheinend nicht aus, nur Stichproben zu nehmen.

Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber und Chrom (VI) werden für bestimmte Farbstoffe und Pigmente verwendet. Sie können sich in unserem Körper anreichern und irreversible Schäden anrichten, einschließlich der Schädigung des zentralen Nervensystems (durch Blei und Quecksilber) oder der Nieren (Cadmium). Chrom (VI) wird in Teilprozessen der Ledergerbung genutzt und ist schon bei niedriger Konzentration giftig! Chrom VI ist ätzend und kann mein Menschen unabhängig von der Dosis schnell zu allergischen Hautreaktionen führen. Außerdem ist sechswertiges Chrom krebserregend.
Die Verwendung von Cadmium, Quecksilber und Blei ist in Europa schon seit längerer Zeit stark eingeschränkt. Das betrifft auch bestimmte Anwendungen von Quecksilber und Cadmium in Textilien.

Fashion revolution: Schädliche Chemikalien in der Textilbranche
©Greenpeace

 

 

 

 

 

 

Zusätzlich habe ich während meiner Recherche noch Informationen zu folgende Chemikalien gefunden, die ich dir nicht vorenthalten möchte:

Kunstharze gehören zu den häufigsten Kontakt-Allergenen. Ausdünstungen von Kunstharzen gelten als Ursache für trockene Schleimhäute, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Es wird geschätzt, dass 90 Prozent aller konventionell hergestellten Baumwoll-Textilien mit Kunstharzen behandelt wurden.

Wenn wir Kleidung kaufen, die knitterfrei ist, dann wurde diese oft mit Formaldehyd behandelt. Formaldehyd wird in der Textilherstellung genutzt, damit Kleidung weniger knittert und ihre Form behält. Es gilt jedoch als krebserregend, hautreizend und kann Allergie verursachen. Das Gas wirkt ätzend. Ab einer Konzentration von 0,15 Prozent in Textilien gilt die Kennzeichnungspflicht „enthält Formaldehyd“.

Last but not least: Auch wenn wir, die Jeans im Used-Look tragen, vielleicht nicht davon betroffen sind, aber die Arbeiter sind es definitiv. Der Used- Look wird in vielen Ländern durch Sandstrahlung mit Quarzsand hervorgerufen. Dabei entsteht Feinstaub, der extrem gesundheitsschädlich für Arbeiter ist, da er sich in der Lunge absetzt. Die Mitarbeiter werden davor nicht oder nur wenig geschützt. Das führt über kurz oder lang dann zum Erstickungstod. In der Türkei ist diese Technik seit 2009 verboten, doch in Ländern wie Indien und Bangladesch wird sie leider noch weiterhin verwendet.

 

So, das war es mit den Schreckensnachrichten für heute. Wahrscheinlich musst du, genau wie ich, erstmal all diese Informationen sacken lassen und verdauen. Falls du dich jedoch noch weiter informieren möchtest, lasse ich dir noch ein paar Links da.

Greenpeace:

http://www.greenpeace.org/austria/de/marktcheck/News/kleidung/-2011/detox/

http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/marktcheck/uploads/media/Schmutzige_Waesche_de_gesamt.pdf

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20130417-toxic-threats-polluting-paradise_0.pdf

http://www.greenpeace.org/switzerland/Global/switzerland/publications/Greenpeace/2012/chemie%20und%20wasser/Ratgeber_Textil-Standards_8(1).pdf

https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/gefahrliche-substanzen-der-textilindustrie

http://www.greenpeace.org/austria/de/marktcheck/News/kleidung/-2011/detox/chemikalien-fur-textilien-1/

 

Umweltbundesamt

Umweltinstitut

Utopia

ZDF 37°: Gift auf unserer Haut

ZDF Planet e: Gefahr aus dem Kleiderschrank

arte Themenabend: Schick aber schädlich

Ich wünsche dir trotzdem schon mal ein schönes und erholsames Wochenende.

Deine Esther

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