Minimalismus ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft?

Ist der Minimalismus bzw. die Entscheidung für ein leichteres und befreiteres Leben ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft? Diese Frage stellt sich mir nicht erst seit unserem Ausflug nach Albanien. Ich musste mir schon oft anhören, dass die Entscheidung minimalistisch zu leben ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft ist und reiner Luxus.

Minimalismus ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft?

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Um es vorweg zu nehmen. Ich bin nicht der Meinung, dass es sich beim Minimalismus um ein Phänomen von Wohlstandsgesellschaften handelt. Gerne erkläre ich dir im Folgenden warum.

Minimalismus in der Welt

In einer internationalen Minimalismus Facebook Gruppe, habe ich vor kurzem danach gefragt, ob es Unterschiede jeglicher Art gibt ein Minimalist in verschiedenen Ländern dieser Welt zu sein. Ich habe dazu Rückmeldung aus aller Welt bekommen. Die ausgiebigste und auch interessanteste Antwort kam aus Indien. Die Person sagte mir, dass wenn man in z.B. in Indien Berichte über Minimalismus liest, es einem oft so vor kommt, als würde Minimalismus nur in Industriestaaten vorkommen und ein Phänomen von Wohlstandsgesellschaften sein. Dabei leben auch in anderen Ländern Menschen minimalistisch. Sei es aus religiösen/ spirituellen Gründen, aufgrund eines bestimmten Vorkommnisses oder eines Traumas. Oft wäre es Menschen auch nicht bewusst, dass es ein Wort gibt, das Ihren Lebensstil beschreibt. Sie haben es so gelernt und praktizieren diese Lebensweise seit ihrer Kindheit. Auch derjenige, der mir geantwortet hat, lebt minimalistisch und das in einem Land, das bestimmt nicht im Wohlstand lebt, wie wir in Deutschland.

Minimalismus aus religiöser Sicht

In vielen Religionen, wie z.B. dem Christentum und dem Buddhismus spielt der Verzicht auf materielle Güter eine Rolle. In den Religionen soll sich auf die Bindung zu Gott konzentriert werden. Weltliche Besitztümer sind in diesem Fall hinderlich. In der Bibel gibt es bereits Passagen, in denen über die Enthaltsamkeit in jeglicher Art gesprochen wird. Z. B. Matthäus 21: „Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“ Es ist also bereits in der Bibel die Besitzlosigkeit erwähnt, als genau das, was Minimalisten anstreben.

Ein gutes Beispiel auch heute noch die Mönche der verschiedenen Religionen. Ein buddhistischer Mönch besitzt z.B. nur drei Roben, ein Rasiermesse, Nähnadel, Wasserfilter, Zahnbürste, Almosenschale, Wanderstab und Medizin. Bereits der Begründer des Buddhismus lebte ca. im späten 5. oder frühen 4. Jahrhundert v. Chr. asketisch, also enthaltsam.

Minimalismus bei den Philosophen

Schon im alten Griechenland und bei den Römern waren Mäßigung und Selbstbeherrschung, sowie die Bereitschaft zum Verzicht Kernbestandteile des Lebens. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, möchte ich dir nur ein paar Namen bzw. Gruppen nennen: Platon, die Stoiker und die Kyniker.

Platon beschrieb, dass lebensnotwendige Bedürfnisse befriedigt werden müssen und sollen, jedoch nicht die, die darüber hinausgehen. Auch zu der damaligen Zeit (einige tausend Jahre v.Chr.) lebte man bestimmt nicht in einer Wohlstandsgesellschaft, zumindest nicht nach unserer heutigen Definition.

Seit dieser Zeit wird der Minimalismus bzw. die Askese, als Überbegriff immer wieder von Philosophen aufgenommen, diskutiert, kritisiert, aber auch bejaht.

Es ist also nicht nur der Überfluss und Wohlstand, der uns dazu bringt, minimalistisch zu leben. Gerade im religiösen und spirituellen Bereich wird häufig auf Überflüssiges verzichtet. Manche Menschen wissen nicht, dass es für ihre Art von Leben einen Begriff gibt, denn sie kennen es nicht anders und wurden von klein auf so erzogen. Ich gebe zu, dass eine freiwillige Entscheidung zum Minimalismus ein Luxus ist, den viele nicht haben.

Abschließend interessiert mich: Wie lautet deine Antwort auf gestellte Frage und warum willst du minimalistisch leben bzw. tust es schon?

Ein Gedanke zu „Minimalismus ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft?

  1. Evtl. haben wir gerade einen Neominimalismus aus einem historisch gesehen nie da gewesenen Wohlstand. Ich würde das so unterstreichen wollen. Die Überschneidung mit historischen oder parallelen Minimalismus Varianten z.b. aus der Religion heraus ist dennoch nicht zufällig. Reduktion auf das Wesentliche zur Gewährleistung einer Zielerreichung scheint neben dem Jagd- und Sammeltrieb ein menschlicher Instinkt zu sein. Und diese Instinkte konkurrieren mit fatalen Ergebnis für den Unvorbereiteten.

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