Minimalismus für Anfänger: Die 5 Chaostypen

Wir Menschen sind alle Individuen und so unterschiedlich, wie wir im Allgemeinen sind, sind wir dies auch in Bezug auf das Chaos und die Unordnung. Viele von uns geben es nicht offen zu, dass es uns ab und an schwer fällt, aus unterschiedlichen Gründen, Ordnung zu machen oder zu halten. Weiterhin sind wir der Meinung, dass wir halt einfach keine Ordnung halten können, weil wir eben so sind, wie wir sind. Dabei liegt der Grund oft viel tiefer in uns, als wir glauben. Ich habe fünf verschiedene Chaostypen identifiziert und stell dir diese heute vor. Falls du dich in keinem dieser wirklich wiederfindest, dann kannst du hier mal nachschauen. Britta hat dort noch weitere Typen enttarnt.

Chapstypen_Minimalismus für Anfänger

Der Chaostyp Horter/ Sammler

Der Horter oder auch Sammler ist ein Typ Mensch, der viel besitzt und das Mantra nutzt „könnte man ja nochmal gebrauchen“. Eine Extremform dieses Chaostypen ist der Messie. Oft liegt die Ursache für dieses Verhalten und Denken in einer starken inneren Unsicherheit. Weiterhin versteckt sich hier auch die Angst vor einem auftretenden Mangel oder einer Not, die diesen Menschen dazu bringt, dass sie nicht abgeben oder wegwerfen können. Diese Angst kann daher rühren, dass diese Menschen vielleicht früher selbst in Not waren oder im Mangel gelebt haben, oder dass Ihnen dieses Gefühl, die Angst von Ihren Vorfahren mitgegeben wurde. Bei den Dingen, die dieser Typ aufhebt, ist es egal, ob der Gegenstand objektiv betrachtet kaputt, wertlos oder nutzlos ist. Bei einem Horter sind die Ängste sogar so tief verankert, dass eine therapeutische Unterstützung notwendig ist.

Doch wie geht man nun mit diesem Typen um? Wie kann der Sammler, sein Chaosstrukturen durchbrechen? Es ist wichtig, dass sich diese Chaostyp daran erinnert, dass wir hier in Deutschland oder auch generell in der westlichen Welt in einer Gesellschaft leben, in der Ressourcen immer und überall verfügbar sind. Wir können theoretisch mit nur einem Klick jeden erdenklichen Gegenstand problemlos und auch günstig erwerben. Wenn wir einen Gegenstand nicht neu erwerben können, dann in den meisten Fällen jedoch Second Hand. Dies gilt natürlich nicht für Erinnerungsstücke, doch darauf kommen wir später noch zurück bei einem anderen Typen. Falls du zu diesem Chaostyp gehörst, dann habe Vertrauen in dich und deine Umwelt und finde den Mut, dich von unnötigem Ballast zu trennen und von Gerümpel zu befreien!

Der Aufschieber

Das Motto des Aufschiebers ist: „Was du heute kannst besorgen, dass verschiebe auf morgen.“ Der Aufschieber ist ein Meister darin Ausreden zu finden, wenn es darum geht, schwierige Aufgaben anzugehen, zu denen oft, gerade am Anfang, das Aufräumen gehört. Er ist gut darin über zu erledigende Dinge und Aufgaben hinwegzusehen. Das trifft auch auf Arbeiten im Beruf zu, nicht nur Privat. Anstatt nach dem Essen z. B. gleich abzuspülen oder das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen, stellt er das Geschirr erstmal in die Spüle oder auf die Arbeitsfläche in der Küche.

Es gibt immer mal wieder Tage, an denen wir keine Lust oder auch Kraft haben, uns um die kleinen Dinge zu kümmern. Solche Tage habe ich auch. Doch es sollte eben nicht zur Gewohnheit werden, dass wir Aufgaben aufschieben. Wir sollten uns bewusst machen, dass uns morgen die Aufgabe auch nicht leichter fallen wird als heute. Meist kommen am nächsten Tag noch weitere Aufgaben und Entscheidungen hinzu. So schleppen wir über die Zeit immer mehr Entscheidungen und Aufgaben und somit Ballast mit uns herum. Dies führt dann zu einer Unzufriedenheit. Unseren inneren Schweinehund freut das natürlich, denn er mag es in der Komfortzone zu bleiben.

Es gilt hier die Ausreden als solche zu entlarven und diese nicht gelten zu lassen, sondern aktiv zu werden. Meist wird es einfacher und leichter, wenn wir erst einmal den ersten Schritt gemacht haben. Denk auch mal daran, dass der Mensch jeden Tag unzählige Entscheidung trifft. Verschwende keine Zeit, Energie und Entscheidungen, indem du mit deinem inneren Schweinehund debattierst. Oft hilft es bereits, dass wir aus den Aktivitäten, Gewohnheiten machen. Dies ist zwar am Anfang erstmal ungewohnt und bedarf ein wenig Durchhaltevermögen, doch es wird mit der Zeit einfacher.

Hier eine kleine Auswahl der Ausreden des Typ Aufschiebers:

  • „Es wird sich schon jemand anderes darum kümmern.“
  • „Ich bin jetzt nicht in der Stimmung.“
  • „Ich würde lieber etwas machen, was mir Spaß bereitet.“
  • „Es ist zu schwer für mich.“
  • „Warum sollte ich das machen? Es interessiert oder stört doch sowieso niemanden.“
  • „Ich mache das später.“
  • „Ich räume das auf, wenn ich das Haus/ die Wohnung neu organisiere und strukturiere.“
  • „Ich weiß nicht, wo das hingehört. Bis ich einen Platz gefunden habe, kann das erstmal da bleiben.“

Der Perfektionist

Nicht nur im Berufsleben gibt es die Perfektionisten. Ein Perfektionist macht es entweder richtig oder gar nicht. Dadurch steht er sich selbst im Weg. Der Anspruch an sich selbst ist bei diesem Typen sehr groß. Dabei verliert sich dieser Typ oft in den (unwichtigen) Details und verliert den Blick auf das große Ganze. So scheitert der Plan die Küche aufzuräumen bereits daran, dass er keinen Platz bzw. festen Aufbewahrungsort für das neue Salatbesteck finden kann. Der Perfektionist hat Angst vor dem Scheitern und geht daher Aufgaben nicht an. Dabei vergisst er, dass er mit 20% des Aufwandes bereits 80 % des Ergebnisses erzielt. Um die restlichen 20% des Ergebnisses zu erreichen benötigt es wiederum 80% seiner Energie (Pareto-Regel).

Wenn du zu diesem Typen gehörst, dann trau dir und lass los von alten Gewohnheiten und Gedanken. Ein perfekter Zustand wird nie erreicht, denn wir finden immer etwas, was noch nicht „perfekt“ ist. Es ist nicht einfach und oft fühlen wir uns dabei unwohl. Loslassen ist immer mit Unsicherheit verbunden, denn wir verlassen unsere geliebte Komfortzone. Überlegen dir auch mal, wie viel selbst auferlegten Stress du durch das Loslassen deines (angestrebten) Perfektionismus von deinen Schultern nehmen kannst. Versuche etwas mehr Gelassenheit in dein Leben zu bringen, das wird dir nicht nur in diesem Lebensbereich helfen.

Der Nostalgische

Der nostalgische Chaostyp ist eine Person, die oft mehr in der Vergangenheit lebt, als im Hier und Jetzt. Die Person hängt an den Erinnerungen aus alten Zeiten, verliert sich teilweise sogar in diesen Erinnerungen. Es gibt auch Personen bei diesem Chaostyp, die alten Träumen und Visionen hinterher rennen. Lass mich dir im Folgenden ein paar Beispiele aufzeigen:

Viele Eltern heben alles auf, was Ihre Kinder im Kindergarten oder in der Schule einmal erstellt habe. Das können diverse Bilder sein, das können aber genauso gut alte Schulunterlagen sein.

Ein weiteres Beispiel sind Erbstücke, von denen wir uns nicht trennen können. Der Verlust eines geliebten Menschen ist schmerzlich und wir hoffen mit den Habseligkeiten der Toten, welche wir aufheben, die Erinnerung an diese aufrecht zu halten.

Es gibt auch Menschen, die vor Jahren vielleicht mal einen Traum hatten, wie.B. ein Café zu eröffnen. Dies hat nicht funktioniert oder sie konnten ihren Traum nicht in die Realität umsetzen. Sie halten jedoch noch immer an den Dingen fest, wie z.B. Möbelstücke, die sie damals zur Umsetzung des Traumes erworben haben.

Wenn du zu diesem Chaostypen gehörst, bitte ich dich über folgendes nachzudenken: Hängt dein Herz wirklich an den x Dingen, die dein Kind damals aus dem Kindergarten oder der Schule mitgebracht hat oder hängt deine Erinnerung eher an der Zeit, als dein Kind klein war? Wenn du Dinge deiner Kinder aufhebst, damit diese die Dinge später, wenn sie ausziehen bzw. erwachsen sind, mitnehmen können, dann gebe ich dir den Rat den Großteil der Dinge sofort los zu werden. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir mitteilen, dass die Wenigsten von uns mit diesen Gegenständen etwas anfangen können bzw. emotional damit verbunden sind. Auch meine Eltern haben damals viel von mir aufgehoben: angefangen von Schulheften über Mäppchen bis hin zu Bildern aus dem Kunstunterricht. Als ich davon erfahren habe (ich dachte, dass diese Dinge schon lange entsorgt waren), habe ich 98% der Dinge direkt entsorgt.

In Bezug auf Erbstücke frage ich dich offen und direkt: Benötigst du wirklich alle Erinnerungsstücke oder reichen vielleicht weniger und auserwählte Stücke aus, um sich an den geliebten Menschen zu erinnern?

Wichtig sind uns oft die Erlebnisse und Erinnerungen hinter den Gegenständen und nicht die Gegenstände selbst. Wenn wir also etwas weggeben, dann bedeutet das nicht, dass der Mensch uns nichts wert ist oder wir die Erinnerung an alte Zeiten aufgeben. Die wichtigsten Erinnerungen tragen wir in unseren Herzen immer bei uns und diese kann uns auch niemand nehmen! Belaste dich daher nicht mit Bergen vermeintlich wichtiger Dinge.

Der systemlose Chaostyp

Zum Schluss möchte ich dir noch den systemlosen Chaostypen vorstellen. Dieser Chaostyp hat oft gar nicht soviel „Zeug“ wie die anderen Chaostypen, aber er hat kein System. Ihm fehlen ein Plan und eine Grundstruktur für seine Ordnungssysteme. Daher wirkt es bei ihm unordentlich und eventuell chaotisch. Aus meiner Erfahrung hilft es diesen Menschen, wenn sie nach Kategorien ausmisten und Dinge auch nach Kategorien aufbewahren. Die Logik hinter Kategorien ist jedoch unterschiedlich. Du würdst vielleicht Feuerzeuge und Streichhölzer zusammen mit Kerzen aufbewahren, während eine andere Person dies in der Nähe der Taschenlampe, tut. Die Aufgabe ist also hier Systeme und Gewohnheiten aufzubauen bzw. zu etablieren. Dinge, in Kategorien aufbewahren und vor allem: Jeder Gegenstand muss einen festen Ort bekommen, an den er immer wieder zurück geräumt wird, nachher er genutzt wurde.

Welcher Typ bist du? Denke dann, es ist nicht immer alles nur schwarz oder weiß, es kann also auch sein, dass du eine Kombination aus mehreren Typen bist.

Falls du abschließend noch mehr zum Thema Ordnung lesen willst, dann schau doch mal in meinem Blogpost „Wie äußere Ordnung zu mehr Klarheit führt“ vorbei.

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