Nachhaltiger Konsum

Ich habe euch ja in meinem letzten Beitrag das Buch „Good Bye, Logo“ vorgestellt. Neil Boorman sagt darin, dass nachhaltiger Konsum für ihn nicht bedeutet, einen Range Rover durch einen Toyota Prius zu ersetzen. Nachhaltiger Konsum ist für ihn nur die Dinge zu kaufen, die wir wirklich benötigen. Diesen Gedanken möchte ich heute nochmal aufgreifen.

Nachhaltiger Konsum wird als die Bedürfnisbefriedigung definiert, die weder zu Lasten heute lebender Menschen, noch zu Lasten zukünftiger Generationen, fällt. Aufgrund dieser Definition, und dem was Boorman sagt, ist beides nachhaltiger Konsum. Einen Toyota Prius zu besitzen und zu fahren, belastet die Umwelt um einiges weniger, als ein Range Rover. Jedoch steht vor diesem Vergleich erst einmal die Frage, ob man überhaupt ein Auto benötigt und damit seine Aussage nur Dinge zu kaufen, die wir wirklich benötigen.

In der Vergangenheit wurden hauptsächlich die produzierenden Unternehmen für Verschmutzung von Wasser, Luft und Boden durch Abgase, Abfälle und Abwässer verantwortlich gemacht. Doch ist es nicht so, dass Produktion bzw. Produktionsbedingungen durch uns Konsumenten indirekt diktiert werden? Nehmen wir hier beispielhaft mal die Fast Fashion Industrie, also Marken wie H&M, Zara, S. Oliver, Pimkie usw.

Früher gab es zwei bis 4 Saisons in der Mode. Heute sind wie bei 52 angekommen. Jede Woche kommt neue Mode in die Läden, die verkauft werden will. Angeblich, weil der Konsument es so will. Alles wird immer schneller. Damit sich die Konsumenten dies leisten können, darf die Mode in diesem Fall nicht viel kosten. Sie muss günstig sein, also muss sie auch günstig produziert werden, damit die Unternehmen auch noch Gewinn machen. Günstige Produktion (zumindest nicht SO günstig) ist in der westlichen Welt nicht möglich, also muss die Ware in Asien oder Afrika produziert werden.

Wir alle haben bestimmt schon einmal irgendwie von den Seat Shops gehört in Bangladesh, in denen unsere Kleidung unter miserablen Bedingungen produziert wird. Die Mitarbeiter, die unsere Kleidung herstellen, bekommen einen Stundenlohn, der mir persönlich eine Gänsehaut beschert. Wir beuten diese Menschen aus, damit wir günstig unserem Massenkonsum nachgehen können. Dadurch sind wir, meines Erachtens, auch in gewisser Art und Weise an der Armut in der „dritten Welt“, Schuld. Wir lassen es zu, dass die Menschen dort ausgebeutet werden, in dem wir diese Unternehmen unterstützen. Das betrifft jedoch nicht nur die günstigen Bekleidungsläden, die ich oben genannt habe. Auch bekannte Luxusmarken produzieren in diesen Ländern unter nicht viel besseren Bedingungen.

Wir sind eine Wegwerfgesellschaft geworden. Kleidung, Elektronik und Haushaltswaren sind für uns nichts anderes als Wegwerfartikel. Ist etwas kaputt, so wird es weggeworfen und sich etwas neues gekauft. Wir können es uns ja leisten…. Ich wurde damals so erzogen, dass man Dinge noch repariert. Hatten die Strümpfe ein Loch, wurden sie gestopft. Ging der Toaster kaputt, wurde er repariert und nicht gleich durch einen neuen ersetzt. Meine Eltern haben mich so erzogen, dass ich nicht immer das neueste vom neuesten brauchte, wie es uns heute bei Elektronikgeräten, wie Handys, vorgegaukelt wird. Die meisten von uns kaufen sich alle zwei Jahre ein neues Handy, weil der Vertrag, den wir abgeschlossen haben, es so erlaubt. Auch wenn das Handy, das wir besitzen, noch funktioniert, so wird es doch durch ein neues ersetzt. Das alte Handy wird im besten Falle weiterverkauft, so dass es weiter genutzt wird. In den meisten Fällen jedoch wird es weg geworfen. Wir gehen auch viel unachtsamer mit unseren Besitztümern um und pflegen sie nicht oder kaum. Kein Wunder, denn wenn sie kaputt gehen, dann kaufen wir uns eben günstig neue.

Genau hier, muss eine Trendwende geschehen. Wir müssen wieder lernen mit unseren Besitztümern achtsam umzugehen. Wir müssen wieder erlernen nur noch das zu kaufen und zu konsumieren, was wir wirklich brauchen. Wir brauchen nicht das 40. Hemd, das 3. Handy oder das 10. Paar Winterstiefel.

Wir leben im Überfluss, der uns zu erdrücken scheint. Uns ist nicht mehr bewusst, was wir wirklich brauchen und wahrscheinlich interessiert das viele auch nicht. Wir denken nur an uns und vielleicht noch an unsere Nächsten. Wir werden egoistisch, wenn es um Konsum geht, ohne über die Folgen nachzudenken. Wir verkennen den Kreislauf.

Wir müssen konsumieren, um zu leben. Wir brauchen Lebensmittel, Kleidung und ein Dach über dem Haus. Das ist klar. Worum es mir hier geht, ist der unbedachte Massenkonsum der Gesellschaft.

Bald kommt die Weihnachtszeit, in der wieder alle los rennen, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ich mag Weihnachten und die Geste des Gebens (der Geschenke).Was mich jedes Jahr aufs neue fasziniert und auch auch irritiert, ist das „höher, besser, weiter“. Großeltern versuchen andere Großeltern mit Geschenken zu übertreffen, damit der oder die Kleine diese Großeltern ganz toll findet. Im Endeffekt sind die Kinder dann mit den viele Spielsachen so überfordert, dass nur ein kleiner Teil wirklich genutzt wird und der Rest in der Ecke landet. Doch es sind nicht die vielen Geschenke und Spielsachen, die unsere Kinder brauchen. Es ist die Aufmerksamkeit. Kinder wollen Zeit mit uns verbringen, die wollen von uns lernen.

Vielleicht liegt das Problem des übermäßigen Konsums auch teilweise an der Internationalisierung und der Digitalisierung. Alles ist zu jeder Zeit und überall verfügbar. Wenn mir Sonntags langweilig ist, kann ich mich theoretisch Stunden damit befassen durch die Online Kataloge der Firmen zu stöbern und dann zu kaufen. Dabei sehe ich Sachen, die mir gefallen, von denen ich keine Ahnung hatte, dass es sie überhaupt gibt. Ohne großes Nachdenken, kann ich diese dann in den Warenkorb legen.

Auch ein“Problem“ eines Erachtens sind die Schlussverkäufe. Früher noch stark reglementiert, kann heutzutage zu fast jeder Jahreszeit das SALE Schild an den Fenstern der Einkaufsstätten gefunden werden. Viele von uns sind so konditioniert, dass sie, wenn sie dieses Schild sehen oder wissen, wo es ein Schnäppchen zu machen gibt, los rennen. Sie kaufen etwas, ohne es (wirklich) zu brauchen, nur damit sie ein Schnäppchen gemacht haben. Sie freuen sich, dass die X- Prozent gespart haben, vergessen aber, dass sie mehr gespart hätten, wenn sie besagtes Teil nicht gekauft hätten. Einen extremen Tag in dieser Hinsicht gibt es bereits in den USA und mittlerweile schwebt die Welle auch nach Deutschland über. Ich rede vom Black- Friday, mit dem in den USA das Weihnachtsgeschäft offiziell anfängt. Das ist der Freitag nach Thanksgiving. An diesem Tag überbieten sich die Unternehmen mit Rabatten und regen so die Konsumenten zum Kauf an. Jeder will ein Schnäppchen ergattern, auch wenn man dies oder jenes Produkt nicht benötigt und oft auch keine Verwendung dafür hat. So kommen die Menschen dann mit vollen Tüten nach Hause, mit mehr als sie eigentlich kaufen wollten und mehr als sie sich eigentlich leisten können und haben dafür dann auch noch einen ihrer wenigen Urlaubstage geopfert.

Ich will Konsum nicht schlecht reden, denn jede Wirtschaft braucht Konsum, um zu überleben. Ich bin jedoch der Meinung, dass wir Konsumenten bewusst und nachhaltig konsumieren sollten. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, was wir wirklich brauchen und uns vor dem Kauf nach Alternativen umsehen, die nachhaltig für unsere Umwelt ist. Ich denke, dass dies keine zu große Aufgabe ist. Außerdem bin ich der Meinung, dass Unternehmen nicht jedes Jahr, ihren Umsatz ums xx% steigern müssen, nur damit die Shareholder zufrieden sind.

Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber unsere Mitmenschen, zukünftige Generationen und unserer Umwelt. Derer sollten wir uns wieder bewusst werden, denn nachhaltiger Konsum ist die Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung. Die Umwelt und zukünftige Generationen werden uns dafür dankbar sein.

Ein Gedanke zu „Nachhaltiger Konsum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.