Was Minimalismus mit Achtsamkeit zu tun hat

So oft hast du den Begriff Achtsamkeit in letzter Zeit gelesen oder gehört. Jetzt fragst du dich vielleicht, was das genau ist, wie es funktioniert und was es dir bringt.

Was Minimalismus mit Achtsamkeit zu tun hat

Ich werde zu Beginn kurz auf die Definition und die Historie eingehen, bevor ich dir erkläre, warum ich der Meinung bin, dass Achtsamkeit und Minimalismus zusammengehören.

Was ist Achtsamkeit?

Eigentlich ist es „nur“ die Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks bzw. eine Form der Aufmerksamkeit. Du und dein Geist befinden sich im Hier und Jetzt. Du schaltest deinen inneren Autopiloten und dein Gedankenkarusell aus. Ich gebe dir mal ein Bespiel für den Autopiloten, von dem ich spreche.

Stelle dir vor du sitzt im Auto und fährst von Ort A zu Ort B. Der Autopilot ist an. In dem Moment, an dem du an Ort B ankommst, kannst dich eigentlich gar nicht mehr bewusst darin erinnern, wie du dahin gekommen bist. Du weißt zwar, dass du die Strecke mit dem Auto gefahren bist, kannst dich aber nicht mehr daran erinnern, was auf der Strecke so passiert ist, wie du Fahrspuren gewechselt hast oder vielleicht auch, dass du z.B. durch einen Wald gefahren bist. Das ist der Autopilot, von dem ich spreche und der mir in meinem Leben schon oft begegnet ist.

Vielleicht denkst du jetzt, dass ich von Konzentration spreche. Nein das tue ich nicht, denn wenn wir uns auf etwas konzentrieren, dann verengen wir unseren Blick. Achtsamkeit ist genau das Gegenteil. Wir machen unsere Sinne frei. Wir sind an unserer inneren Entwicklung interessiert.
Wichtig ist es dabei aber, dass du die Situation, in der du dich befindest, NICHT bewertest. Du nimmst dich und deine Umgebung bewusst war, aber ohne zu bewerten.
Viele machen dies, in dem sich sich auf ihren Atem konzentrieren und durch eine Distanz zu seinen Gedanken aufzubauen, also eine Art Meditation. Daher wird auch oft von der Achtsamkeitsmeditation gesprochen. Achtsamkeit ist ein Ur- Element buddhistischer Heilsuche und Spiritualität.

Die primäre Bedeutung des Begriffes Achtsamkeit, ist die Fähigkeit zur Erinnerung, etwas im Gedächtnis zu behalten und nicht zu vergessen. Es gibt jedoch keine „richtige“ Definition des Begriffes, denn Wörter erhalten ihre Bedeutung oft dadurch, wie sie in der Gesellschaft und in welchem Kontext sie genutzt werden.

Wirkungen von Achtsamkeit

Achtsamkeit kann helfen, Stress zu reduzieren. Man könnte Achtsamkeit auch als eine Art inneren Minimalismus beschreiben, denn dadurch, dass man sich im Hier und Jetzt befindet und den Moment lebt, entledigt man sich aller unnötigen Gedanken. Inzwischen wird das Prinzip der Achtsamkeit im Rahmen der Therapie oder Prävention einer Vielzahl verschiedener psychischer und körperlicher Störungen bzw. Probleme eingesetzt, nicht zuletzt auch, um dem immer weiter verbreiteten Stress in Berufs- und Arbeitswelt (Stichwort „Burn-Out“) entgegen zu wirken. Wissenschaftler haben nachgewiesen wie heilsam Achtsamkeit ist. Es ist bekannt, dass Achtsamkeit Depressionen lindern kann, Stress reduziert und sie verringert auch Rückfallrisiko von Suchtkranken.

Achtsamkeitsübungen können aber auch noch andere Wirkungen haben, wie z.B. die Öffnung für neue Erfahrungen, die Intensivierung von Wahrnehmung und Erleben, eine verfeinerte Selbstwahrnehmung oder verbesserte zwischenmenschliche Beziehungen.

Was Minimalismus mit Achtsamkeit zu tun hat

Da es keine „richtige“ oder „falsche“ Definition des Begriffes Achtsamkeit gibt, kann ich jetzt nur davon sprechen, wie ich Achtsamkeit lebe und warum Achtsamkeit und Minimalismus  für mich zusammen gehören.

Wie ich zu Beginn beschrieben habe, laufe ich des Öfteren im Autopilot, gerade beim Autofahren. Immer wenn ich mich dabei erwische, hole ich mich zurück in die Realität, in dem ich bewusst ein- und ausatme. Ich versuche meine Gedanken, die in meinem Kopf herumschwirren wie Wolken zu betrachten, die am Himmel vorbeiziehen. Ich nehme sie wahr und lasse sie wieder gehen. Genau hier sehe ich Parallelen zwischen Achtsamkeit und Minimalismus. Wir sollten Gegenstände, Gefühle und auch Menschen ziehen lassen, die wir nicht „benötigen“. Wir sollten uns immer wieder daran erinnern, dass wir uns selbst genug sein können. Wir sollten nur noch die wichtigsten „Dinge“ in unserem Leben haben. (Mit Dingen meine ich hier Gegenstände, Gedanken, Erinnerungen etc.). Dinge, die wir wirklich brauchen. Oft haben wir doch Gedanken, die uns kein bisschen weiterbringen und die uns auch nicht behilflich sind in unserem Leben. Lassen wir diese gehen, dann machen wir uns frei.  Frei für das, was uns wichtig ist, was uns persönlich weiterbringt, frei für Dinge, die uns gut tun, die uns bereichern.

Nicht umsonst haben viele Menschen einen Terminkalender bzw. darin eine ewig lange „To Do“- Liste. Es spricht nichts gegen Listen, um sich daran zu erinnern, was wir noch tun wollen oder müssen, falls wir es nicht gleich tun können. Jedoch sollten wir nicht jede kleinste Kleinigkeit in diese Liste bringen, denn dadurch behindern wir den freien Fluss unserer Gedanken.

Achstamkeitsübungen

Zum Schluss möchte ich dir noch ein paar Übungen an die Hand geben, die mir geholfen haben, Achtsamkeit im Alltag zu leben.

Achtsamkeitsübungen im Alltag

Bevor du dir jetzt die Übungen anschaust und los legst noch ein kleiner Hinweis. Fange klein an. Die Achtsamkeitsübungen hören sich einfach an, aber gerade am Anfang wird es schwer sein ein paar Minuten achtsam zu sein. Hier ein paar Beispiele, wie du Achtsamkeit in den Alltag einbauen kannst:

  1. Morgens nach dem Aufstehen entweder noch im Bett liegend, auf der Bettkante oder eine Stuhl sitzend 10 Minuten sich des Wachseins bewusst werden und in den Körper hinein hören. Deine Körperempfindungen und aufsteigenden Gedanken Emotionen/Stimmungen wahrnehmen.
  2. Achtsam atmen: Ich atme ein, ich atme aus….Klingt einfach und ist es im Prinzip auch, aber du wirst zu Beginn feststellen, dass deine Gedanken  zwischenzeitlich von der Atmung abschießen werden. Dann muss  Du musst sie dann wieder einfangen und Zurück zu deiner Atmung lenken.
  3. Achtsam essen und trinken: das hat zur Folge, dass wir jeden Bissen genießen und bei einigen sogar, dass sie weniger essen, da sie auf ihren Körper hören, in ihn hinein fühlen.
  4. Achtsam tägliche Haushaltsaufgaben erledigen wie z.B. Spüle, Bügeln, Kochen, Anziehen, Autofahren, Hinsetzen….
  5. Achtsam warten: Nutze Wartezeiten, um deine Gedanken auf die Atmung zu lenken. Dafür eignen sich Situationen wie Rote Ampeln, Supermarktkassen, aber auch das Warten auf das Essen im Restaurant.

Sitzen und warten im Park

Generell kann ich dir auch noch folgende Tipps geben:

„Innerliche Notizen“ machen: Was denke, fühle, empfinde ich in diesem Moment? Darauf achten, wo Dinge bewertet werden und in welcher Weise das getan wird. Du beschreibst deine Gefühle und deine momentane Situation. Du erlebst gerade zum Beispiel das Gefühl Wut. Versuche dein Gefühl möglichst genau zu beschrieben. Wo im Körper nimmst du das Gefühl war? Wie groß ist es? Welche Form hat es? Wodurch wurde es ausgelöst? Beschreibe die Situation in der du das Gefühl erlebst. Wo bist du und mit wem? Was ist um dich herum?

Abends vor dem Einschlafen noch einmal reflektieren, wo es tagsüber gelungen war, achtsam zu sein. Wo wäre noch mehr Achtsamkeit möglich gewesen? Wo ist man zufrieden mit sich selbst gewesen? Was wurde in diesen Momenten gedacht und gefühlt?

Gedanken beobachten: Gedanken beobachten als wären sie Wolken im Himmel die an uns vorbei ziehen. Lass sie kommen und wieder gehen.

Himmel mit Wolken

Bewusste Wahrnehmung der Umgebung:  Wann bist du das letzte Mal spazieren gewesen und hast dir bewusst gemacht, was um dich herum passiert? Wie die Blumen riechen, wie sie aussehen? Wie der Wind sich auf deiner Haut anfühlt? Nimm bewusst wahr, was du hast, fühlst und auch riechst.

So und jetzt bist du dran, dich in Achtsamkeit zu üben und dir innerliche Notizen zu machen, wie es sich anfühlt. Du wirst mit der Zeit feststellen, welche positiven Resultate du erreichen kannst.

Deine Esther

Ein Gedanke zu „Was Minimalismus mit Achtsamkeit zu tun hat

  1. Bin kein Fan der „Achtsamkeit“.
    Es mag manchen Leuten helfen, ist vermutlich Typsache – ich habe bereits Erfahrung mit Achtsamkeitskursen und habe die Übungen im Alltag oftmals als Belastung empfunden, insbesondere „BodyCheck“ und Atemübungen.

    Ich lasse meine Gedanken auch ungern „ziehen wie Wolken“, weil ich sie mag und sie mir mitunter sehr helfen.

    Aber: Sobald sie zur Belastung werden und ich mich hektisch fühle, mache ich oft die folgende Übung: Ich lenke meine Konzentration auf den Moment und den Ort, an dem ich mich befinde.

    Ich suche 5 verschiedene Geräusche im Hintergrund, ich suche fünf Menschen. Ich suche fünf Pflanzen, betrachte den Boden. Schaue in den Himmel, male mit den Wolken Bildern. Das hilft mir – den Rest empfinde ich als Quatsch.

    Aber: Jeder muss selbst wissen, inwieweit er sich einlassen kann auf den „Hype“.
    Und: Schön für jedem, der sich durch Achtsamkeit besser und wohler fühlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere