Wenn Großeltern ausmisten- Reduzieren im Alter

Kennst du das auch, wenn Großeltern in einem gewissen Alter anfangen ihre Wohnung auszumisten und Dinge loszulassen? Nein? Ich bis vor kurzem auch nicht.

Ich lese immer von Menschen, die sich darüber aufregen, dass sie sich um den Hausstand der Großeltern kümmern müssen, wenn diese ins Altersheim kommen oder gar sterben. Erst diese Woche hat sich in einer Minimalisten- Facebook Gruppe wieder ein Mitglied darüber beschwert, dass als die Schwiegeroma ins Altersheim kam, Sachen verkauft und verschenkt werden mussten. Alleine ungefähr 150 kg Lebensmittel mussten entsorgt werden, da diese seit Jahren nicht mehr gut waren. Als ich das gelesen habe, musste ich wirklich schlucken. Das Mitglied stellte die Frage: „Warum war es den Menschen vor uns wichtiger Konsum zu sammeln, als die Welt der nachfolgenden Generationen zu retten?“ und bekam als Antwort: „Weil sie den Mangel des Krieges erlebt haben.“

Wenn Großeltern ausmisten- Reduzieren im Alter

Meine Großeltern, die weit über 80 sind, fangen gerade an ihr Leben auszumisten und sich von Dingen aus Ihrem Leben zu trennen, die sie nicht mehr benötigen. Wenn ich ehrlich bin, war ich etwas überrascht, dass sie sich von den Dingen, die sie nicht mehr benötigen, trennen. Ich finde es sogar irgendwie komisch. Versteh mich nicht falsch, ich finde es gut, aber für mich hat es einen Hauch von „sich auf den Tod vorbereiten“, wenn du verstehst, was ich meine.

Meine Großväter meinen es ernst

Letztes Wochenende war ich bei meinen Großeltern und mein Opa fragte dann, ob wir dieses oder jenes benötigen könnten. Wie du dir vorstellen kannst, war das bei allem nicht der Fall, egal ob es nun das Werkzeug war oder irgendwelche Blumenvasen aus den 70ern oder 80ern ging. Für mich war und ist das ein wenig befremdlich, hat man doch immer, wie oben beschrieben, davon gehört, dass Erben, Familie oder Nachfahren ganze Wohnungen entrümpeln müssen. Ich finde es aber auf der anderen Seite gut, dass sie diese Aufgabe nicht den Nachfahren bzw. jüngeren Generationen aufbürden wollen.

Auf die Frage hin, warum mein Opa jetzt anfängt alte Dinge auszumisten, die schon teilweise seit Jahren in irgendeiner Ecke stehen und nicht genutzt werden, meinte er nur, dass er, wenn er sterben wird, nicht will, dass die Erben diese Aufgabe erledigen müssen und sich mit dem „alten Kram“ auseinander setzen müssen.

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Das Einfache Leben kann also auch im hohen Alter noch Einzug in das Leben der Menschen gewinnen. Jedoch frage ich mich, warum gerade ältere Menschen erst so spät diesen Gedanken haben. Warum reduziert man die Besitztümer nicht von Zeit zu Zeit in jüngeren Jahren?

Mangel zu Kriegszeiten

Auch wenn meine Großeltern zu Kriegszeiten aufgewachsen sind und man zu dieser Zeit nichts weggegeben oder weggeworfen hat, denn man wusste ja nie, ob man es anderweitig gebrauchen konnte und damals gab es auch nicht so eine Überauswahl an Gegenständen, die viele besitzen wollen bzw. bei denen uns die Firmen erzählen, dass wir sie benötigen könnten… Trotzdem. Die Kriegszeit ist lange vorbei und in der Zwischenzeit dürften auch die Älteren verstanden haben, dass wir in Deutschland keinen Mangel erleben werden, wie sie ihn von damals kennen.

Auch mein anderer Großvater fängt gerade an aufzuräumen und auszumisten. Warum sind es eigentlich die Großväter, die so denken? Meine Omas sind davon beide nicht begeistert. Eine versucht sogar immer heimlich Sachen wieder ins Haus zurück zu holen, was ihr natürlich nicht gelingt.

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Bereits Frank von Assisi sagte: Denke daran, wenn du diese Erde verlässt, dann kannst du nichts mitnehmen als das, was du gegeben hast.“ Ich glaube das dies auch ein wenig der Hintergedanke ist. Meine Großeltern haben viel erlebt in ihrem Leben, viel gesehen. Sie merken, dass sie jetzt nicht mehr so agil sind, wie noch vor ein paar Jahren und dass das Wichtigste ist, dass wir uns daran erinnern, was sie uns gegeben haben. Seien es Geschichten, die sie uns erzählt haben oder Ratschläge, die sie uns gegeben haben. An diese Momente werden wir uns erinnern, aber nicht daran, wie viele Bücher sie besaßen oder wie viele Dekorationsartikel. Verstehst du was ich meine?

Warum unsere Eltern den Großeltern nacheifern sollten

Wie gesagt, finde ich es gut, dass meine Großväter den Schritt machen und sich von Dingen trennen, die niemand mehr benötigt, selbst die Enkel nicht mehr. Selbst meine Eltern bekommen gerade die Aufgabe durch alte Kindersachen von mir und meinem Bruder zu schauen, die sich auf dem Dachboden befunden haben und sich von Dingen zu trennen. Ich glaube, dass dieser Druck nicht unbedingt produktiv ist, aber ich warte ab, wie sich die Situation entwickelt und halte mich so lange zurück… Denn seien wir mal ehrlich, ich brauche meinen Strampelanzug von Anfang der 80er definitiv nicht mehr. Ich will auch nicht wissen, was sich sonst noch so in den Kisten befindet. Mich würde es auch nicht wundern, wenn einige der Kleidungsstücke von Motten bereits angefressen wurden. Ich lasse ich überraschen, was meine Eltern mir so alles über das Ausmisten erzählen und werde berichten…

Wie sieht es bei deinen Eltern oder Großeltern aus?

Dein Esther

4 Gedanken zu „Wenn Großeltern ausmisten- Reduzieren im Alter

  1. Liebe Esther,

    vielen Dank für diesen persönlichen Beitrag.

    Zu etlichen Fragen hast Du die Antworten ja gleich mitgegeben:
    Deine Großeltern haben – wie alle Generationen vor ihnen und nach ihnen – eine bestimmte Sozialisation durchlaufen und erlebt. Die so ausgebildeten Denk- und Verhaltensmuster lassen sich nur schwer ablegen. Besonders, wenn es um das Loslassen von Dingen und damit dem eigenen Leben geht.

    Das Gefühl, endlich zu sein, können nur die wenigsten Menschen ertragen. Umso mehr ziehe ich vor Deinen Großeltern meinen Hut, weil sie sich dieser Tatsache stellen und in den Fahrersitz gehen. „Leichter“ wäre es, die Verantwortung auf die (Enkel-)Kinder abzuschieben. Vielleicht ist es auch ein wichtiger Prozess für sie, um noch einmal Bilanz zu ziehen – im positiven wie im negativen.

    Herr M21er und ich haben das bei unseren Eltern zu einem Großteil schon „hinter uns“: Anfangs schwer, jetzt unheimlich befreiend.

    Herzliche Grüße
    M21

  2. Hallo Esther,
    ein schöner Beitrag. Meine Großeltern waren leider selbst nicht in der Lage dies selbst zu entscheiden, sie wurden entweder vorher aus dem Leben gerissen oder die Demenz hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für uns Enkel und meine Mutter war letzteres fast noch schlimmer, denn man entscheidet für jemand anderen was mit dessen Erinnerungen und Eigentümern geschieht. Diese Zeit des ‚Ausmisten und Entsorgens‘ war für uns sehr schwer und ist es bis heute, denn einiges an Dingen ist geblieben, weil meine Großmutter noch lebt. Das Gefühl in die Privatsphäre einzudringen und die Entscheidung zu treffen was wichtig oder unwichtig ist ‚verfolgt‘ mich bis heute. Deshalb finde ich es schön, dass deine Großväter völlig selbst bestimmt entscheiden was mit deren Besitz usw. passiert. Dieses Verhalten bestätigt dich bestimmt nochmals in deinem eigenen Weg zum Minimalismus 😉 denn um die Dinge die jetzt nicht angesammelt werden, braucht sich später niemand (auch du selbst nicht) Gedanken zu machen. Spannend ist bestimmt welche Kindheitserinnerung da wieder auftauchen 🙂
    Bis bald Sabrina

  3. Danke für die guten Tipps zum Entrümpelung von Wohnungen. Warum man nicht in jungen Jahren schon entrümpelt ist eine gute Frage. Sicher hat das auch mit dem Verdrängen der eigenen Vergänglichkeit zu tun.

    1. Meine Großeltern sind in einer Zeit groß geworden, wo es nicht viel gab und da haben sie versucht alles, was sie besitzen, so gut wie möglich zu nutzen und auch für die späteren Generationen aufzuheben. Einigen wird jedoch klar, dass die jüngeren Generationen dies nicht zu schätzen wissen oder eben nicht benötigen. Erst dann kommt bei einigen die Einsicht, sich von Dingen zu trennen und auch, dass alles wieder zu beschaffen ist.

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